Der erste Satz

Posted: 21st May 2007 by mash in allgemein, Kunst
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Nein ich werde nun nicht über meine ersten Versuche auf dem Tennisplatz seit dem Unfall schreiben. In den letzten Tagen taucht in saemtlichen Medien, (Radio, Zeitschriften, Onlinejournale etc.) das Thema ‘Der erste Satz eines Buches’ auf.


Wo kommt jetzt dieser Hype her? Zugegeben, jeder Autor überlegt sich mehr als nur einmal, wie er einen Roman beginnt. Darüber hinaus ist die Einleitung derjenige Teil eines Manuskripts der von Lektoren (Honeyball Lektor) am häufigsten zerrissen wird. Stehe ich jedoch als potentieller Kaeufer in einer Buchhandlung und blättere im Werk eines mir unbekannten Autors, dann tue ich genau das: Ich blättere, greif’ mir irgendwo eine Seite heraus und lasse die Sprache auf mich wirken. Liegt die Schreibe auf meiner Wellenlaenge?

Hier einmal ein paar Beispiele aus weniger bekannten Werken

Leider mußte mein letzter Arbeitgeber den Laden zumachen und ich hatte noch nicht einmal eine Abfindung erhalten.

Oder:

Viele Geschichten beginnen harmlos und leise, fast unbemerkt – manchmal selbst von den unmittelbar Betroffenen -, um dann mit einem wahren Paukenschlag zu enden; diese nicht!

Derartige Saetze sind nichtssagend. Nimmt man evtl. noch die folgenden zwei oder drei Saetze hinzu kann jedoch die Neugier so weit geweckt werden, dass die Kaufentscheidung beeinflusst wird. Daher denke ich dass sicherlich nicht der erste Satz, aber vielleicht der erste Absatz eines Buches entscheidet, ob man weiterliest.

Nichtsdestotrotz bin ich davon überzeugt, dass wohl der Klappentext, der die Rahmenhandlung und das Thema umreisst, eine stärkere Filterfunktion fuer den potentiellen Leser ausuebt, als der erste Satz.

Zugegeben, ein Satz wie

Um keine Spuren zu hinterlassen, hatte sich irgendjemand die Muehe gemacht, das Blut mit einem Lappen wegzuwischen.

könnte als Teaser, durchaus den einen oder anderen Leser zum Kauf anregen. Wenn es sich jedoch um einen Restaurantfuehrer handelt, der die Unfähigkeit des Kochs anprangert ein Steak gut durchzubraten, duerfte sich beim Lesen alsbald Frustration einstellen.

Wie seht Ihr das. Wird der erste Satz in einem Buch überbewertet?

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-m*sh-

  1. mortricia says:

    Also ich finde den letzten Satz viel aussagekräftiger. Wenn ich ein Buch lese, dann hab ich nach den ersten 10,20 manchmal auch 100 (kommt auf den Umfang an) Seiten den Drang, den letzten Satz zu lesen.
    Wenn ich in einer Buchhandlung stehe, dann lese ich kurz quasi querfeldein. Mich muss die Sprache überzeugen, die ein Autor verwendet. Ansonsten schau ich mir den Klappentext an, damit ich eine kurze inhaltliche Vorstellung bekomme und dann wandert es entweder zurück ins Regal oder zu mir nach Hause ^^

    • sha-mash says:

      Danke fuer Deine Rueckmeldung. Das sehe ich ziemlich ähnlich. Wobei ich mir das ‘spicken’ nach dem letzten Satz meist verkneife.
      -m*sh-

  2. Muss ich absolut zustimmen. Zunächst lese ich den Klappentext, dann eine beliebige Seite. Oft auch die Kapitel.
    Ehrlich gesagt kann ich mir das “spicken” wie du es so schön nennst, auch nicht immer verkneifen.

    • sha-mash says:

      Echt? Du spickst?
      Soll ich den letzten Satz aus meinem Roman posten?
      -m*sh-

      • Das wäre einerseits nett, andererseits machst du mir ja nur lange Zähne. Ich kann es ja nicht komplett lesen dann.
        Dann hab ich wieder nur so Informationsfetzen die ich nicht sortieren kann.
        Kannst nicht den Roman posten? Da kann ich ja dann auch spicken.
        Scheib noch was, en pevato.

  3. Für mich ist der Buchrückentext wichtig. Spricht er mich an. Meist beginne ich das Buch kurz anzulesen, wenn es mich hineinzieht, möchte ich mehr wissen, wenn nicht – dann habe ich es schon im nächsten Atemzug vergessen!

  4. Frau_Melle says:

    Ich lese meist die erste Seite. Der erste Satz ist dabei nicht unbedingt ausschlaggebend, aber ich habe schon öfter mal einen ersten Satz dabei gehabt, der wirklich dafür gesorgt hat, dass ich ein Buch kaufe. Ich denke mir dann, wer einen solchen Start hinbekommt, wartet noch mit weiteren Überraschungen auf. Enttäuscht wurde ich dabei, soweit ich mich jetzt gerade erinnere, nie.
    Klappentexte mag ich häufig nicht, da sie schon Handlungen vorwegnehmen, die ich eigentlich ganz langsam erfahren möchte. Auch das Spicken in Richtung Ende ist für mich ein Verbot. Meist nervt es mich schon, wenn ich zufällig beim Umblättern der Seite Worte vom Ende der gegenüberliegenden Seite erhasche, weil ich mir selbst dann etwas vorwegnehme. Aus demselben Grund lese ich auch nicht quer…

    • sha-mash says:

      Naja, meist ist die Einleitung/der Anfang auch der Teil, an dem der Autor am meisten herumfeilt. Wenn ich den Eindruck habe, dass der erste Absatz jedoch zusammenkonstruiert ist, um einen (Kauf-)Effekt beim potentiellen Leser auszulösen, dann sprciht das eher gegen die Geschichte.
      -m*sh-