Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung im Bundesministerium für Gesundheit, Sabine Bätzing, könnte sich plötzlich und unvermittelt in der Verantwortung für die deutsche Wirtschaft sehen. Und dies nicht, weil wir uns gerade über Fasnacht die Statistiken schöngesoffen haben. Nachdem sich Frau Bätzing bereits mit ihrem Vorstoß gegen das Rauchen im Auto ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt hat, könnte sie auch noch in anderen Ressorts wildern.

Sabine Baetzing


Doch beginnen wir mit den Fakten: Zwar überschlugen sich in den letzten Tagen die Sensationsmeldungen über einen angeblichen Rückgang der Arbeitslosigkeit, doch letztlich war dies alles nur heiße Luft. Nachdem mittlerweile auch der letzte Bürger die Kröte mit dem Klimawandel geschluckt hat, lässt sich heiße Luft offenbar besonders gut verkaufen.

Die aktuellen Zahlen jedoch spiegeln lediglich wider, dass a) die wetterabhängigen Branchen, wie die Bauwirtschaft, vom milden Winter profitieren konnten und b) die Statisitiken durch eine enorm starke Zunahme von Minijobs ‘entlastet’ wurden.

Die, ach so verlockende, Zahl von drei Millionen Arbeitslosen, die allenthalben sprechblasenartig den Köpfen der Politiker entwich beruht hingegen lediglich auf einer Prognose für das Jahr 2009 und dies auch nur für den Fall, dass sich der Aufschwung noch weiter beschleunigt und bis dahin auch anhält.

Ein umfassender Arbeitsmarktaufschwung für 80 Millionen Deutsche oder knapp 500 Millionen EU-Bürger zeichnet sich allerdings nirgends ab. Auch wenn VW letztes Jahr einen Gewinn von fast viereinhalb Milliarden Euro verbuchen konnte – auf Kosten der Mitarbeiter von denen ein Teil eine Arbeitszeitverlängerung hinnehmen musste und ein weiterer per Abfindung ‘freigestellt’ wurde.

Doch nicht nur der größte Automobilbauer, sondern auch bei dem, in starke Turbulenzen geratenen, ehemaligen Vorzeigeunternehmen der EU, Airbus Industries, sieht man nur eine Möglichkeit, Auftrieb unter die Tragflächen zu bekommen: Entlassungen. Zwar weiss man noch nichts genaues nicht, doch stehen an mehreren Standorten Arbeitsplätze in fünfstelliger Höhe auf der Kippe. Denn Entlassungen sind ein äusserst probates und mittlerweile auch sehr beliebtes Mittel, um die wirtschaftlichen und technologischen Probleme der Konzerne in den Griff zu bekommen. Zunächst einmal hat Airbus nach wie vor recht gut gefüllte Auftragsbücher – allein die Auslieferung der Produkte (insbesondere des A 380) lässt derzeit noch ein wenig auf sich warten. Daher ist man in der Chefetage der Meinung, die 166 bestellten Grossraumflieger könnten von weniger Mitarbeitern schneller zusammengebaut werden; man kennt ja das alte Sprichwort: Zu viele Köche verderben den Brei.

Auch Pannen wie die falsche Berechnung der Kabelstränge sollen künftig durch weniger Mitarbeiter nicht mehr vorkommen, denn weniger Menschen machen weniger Fehler und sind auch einfacher zu überwachen. So lautet in den Managementetagen das Zauberwort zur Lösung aller wirtschaftlicher Probleme: “Gesundschrumpfung”.

Wobei man diesem Wort lediglich etwas Gutes abgewinnen kann, wenn man es mit dem Nachlassen einer viagrabedingten, schmerzhaften Dauererektion in Verbindung bringt. Und so stellt sich die Frage, wie denn eine funktionierende “Potenzpille” für unsere Wirtschaft aussehen könnte, die tatsächlich eine nachhaltige Reduzierung der Arbeitslosenzahlen bewirkt.

“Mitarbeiter einstellen”, “mehr produzieren”, “Qualitätssteigerung”, “Serviceorientierung” – alles Schlagworte aus dem letzten Jahrhundert, deren Verfallsdatum längst abgelaufen scheint. Im betriebswirtschaftlichen Controlling stellen derartige Konzepte nämlich zunächst Kostenstellen dar – und Kosten müssen gesenkt werden; koste es was es wolle.

Dabei scheint niemand auf die Ertragsseite schauen zu wollen. Der ‘Exportweltmeister’ Deutschland hat sich laut Spiegel vom 8.2.2007 im letzten Jahr (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,465063,00.html) selbst übertroffen; der Aussenhandel blüht. Will heissen, die Märkte sind da und die Nachfrageseite ist ebenfalls mit Kapital ausgestattet.

Gewinnmaximierung durch Kosteneinsparung kann nur kurzfristig funktionieren. Daher sollten die Entscheidungsträger in den Vorständen mal darüber nachdenken, ob sie ihre Ziele mit Expansion und Produktivitätssteigerung nicht ebenso realisieren können, wie durch “Gesundschrumpfung”. Das wäre nicht nur sozialverträglicher, sondern könnte auch einen langfristigen, positiven Effekt auf den Arbeitsmarkt haben.

Doch das will offenbar niemand in den Chefetagen. Denn so lange die real existierende Angst vor Arbeitslosigkeit in den Köpfen der Arbeitnehmer und Gewerkschaften präsent ist, hat man ein Druckmittel, das nicht nur bei Tarifverhandlungen effektiv eingesetzt werden kann, womit wiederum – genau(!) – Kosten gespart werden können.

Anscheinend hat Kosteneinsparung ein bislang unterschätztes Suchtpotenzial. Geiz ist nicht nur geil, sondern macht auch süchtig. Frau Bätzing, übernehmen Sie!

-m*sh-

  1. Drogen!
    Was fällt denn alles darunter?
    LSD,
    das leckere Krümmelzeug…
    Alkohol,
    Medikamente

    selbst das Fallschirmspringen kann zur Sucht werden .., ohja!!!

    und am Ende rettet mein Sprung ins Leere dann die Wirtschaft?
    Ich weiß ja nicht…

  2. Hat alles keinen Sinn- ich geh auch in die Politik!